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Vortrag FMA-Vorstand Mag. Helmut Ettl: „Österreichs Banken – quo vadis?“

Vortrag FMA-Vorstand Mag. Helmut Ettl: „Österreichs Banken – quo vadis?“Präsident Adolf Wala, FMA-Vorstand Mag. Helmut Ettl und Landespolizeipräsident Dr. Gerhard Pürstl (v. l.)
Der Verein der Freunde der Wiener Polizei sei „ein stabiler und verlässlicher Partner, der immer wieder einspringt, wenn etwas gebraucht wird, das unserem gemeinsamen Anliegen – der Sicherheit der Bevölkerung in Wien – dient“, betonte Wiens Polizeipräsident Dr. Gerhard Pürstl zur Begrüßung der rund 60 Gäste, die am 12. Juni 2015 in die LPD Wien gekommen waren. Wiens Landespolizeipräsident Dr. Gerhard Pürstl

Anlass war der Vortrag „Österreichs Banken – quo vadis?“, für den sich Mag. Helmut Ettl, Vorstand der Finanzmarktaufsicht, zur Verfügung gestellt hatte.  

Polizei genießt höchstes Vertrauen
in der Bevölkerung

Vereinspräsident Adolf Wala dankte insbesondere dem Präsidium der Landespolizeidirektion Wien „für die kontinuierlich hervorragende Zusammenarbeit“. Er verwies auf zwei aktuelle Studien des Marktforschungsunternehmens GfK und der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft, die bei Befragungen über das Vertrauen der Bevölkerung in Institutionen jeweils zu dem Ergebnis kamen, dass die Polizei das höchste Maß an Vertrauen genießt, noch vor der Justiz und den Gerichten oder den Gewerkschaften.

Präsident Adolf WalaErgebnisse, zu denen zum einen „der Polizei herzlich zu gratulieren“ sei und die zum anderen eine Bestätigung der Arbeit des Vereins der Freunde der Wiener Polizei darstellten:  „Sie gestatten mir ein klein wenig Stolz auf diese Studienergebnisse“, so Wala, „ich denke, dass wir durch unsere Aktivitäten zur Unterstützung der Arbeit der Polizei seit bereits mehr als 40 Jahren sicher ein wenig zu diesem positiven Image beitragen durften“.

 

„Auslobungs-Pool“ wird eingerichtet

Zusätzlich zur Nennung bisheriger großer Unterstützungsleistungen über den Verein – 56 lebensrettende Defibrillatoren für Polizeidienststellen und -fahrzeuge 2012/13, Spezialkameras für die Tatortarbeit im Wert von 100.000 Euro 2009, 175.000 Euro für einen Informations- und Beratungsbus 2010, 110.000 Euro für dringend benötigte moderne Schutz-Ausrüstung 2014 – berichtete Wala über die geplante Einrichtung eines „Auslobungs-Pools“ in diesem Jahr: Aus dem vom Verein und von Sponsoren finanzierten Pool sollen Belohnungen für Hinweise aus der Bevölkerung zur Unterstützung der Ermittlungen bei besonders brutalen Kriminalfällen ausgeschüttet werden. „Insbesondere bei aussichtslos erscheinenden Fällen haben sich derartige ,Auslobungen‘ in der Größenordnung von je 3.000 bis 5.000 Euro als überaus geeignet erwiesen, wichtige Aufklärungsfortschritte zu erzielen“, so Wala.

Volltext Rede Präsident Wala

Entschlossenes Vorgehen in Europa

FMA-Vorstand Mag. Helmut EttlMag. Ettl erklärte in seinem Vortrag die wesentlichen Aufgabenbereiche der 2002 gegründeten FMA: die Aufsicht über Österreichs Banken, Versicherungen und Finanzmärkte sowie die Abwicklungsbegleitung jener Banken, die aus dem Markt gehen. Die dabei verfolgten Ziele würden sich insbesondere auf die Erhaltung der Stabilität, auf Prävention und den Verbraucherschutz der Anleger und Sparer richten. Derzeit seien (inkl. OeNB) bis zu 600 Aufseher bei der Behörde tätig, hinzu komme eine Anwaltssozietät von 34 Rechtsanwälten. Die Gesamtbilanzsumme der österreichischen Banken betrage rund 900 Mrd. Euro, davon entfielen rd. 60% auf Großbanken.

2008 sei das europäische Finanzsystem „am Rande des Zusammenbruchs gestanden“, erklärte Ettl. Es kam aber zu einem „sehr entschlossenen politischen Handeln in Europa – unter der Prämisse, dass keine Bank Pleite gehen sollte“. Das habe „viel Geld gekostet und mit diesen Kosten schlagen wir uns bis heute herum“. Banken würden aber „den Blutkreislauf des Wirtschaftsgeschehens“ darstellen, das Eintreten von Finanzkrisen sei künftig zu verhindern, da diese „Wertevernichter“ seien.

Kleine Banken in Österreich erhalten

Zum Vergleich führte Ettl an, dass Deutschland in den Jahren 2008 bis 2014 insgesamt 144 Mrd. Euro oder 5,3% des BIP in die Bankenrettung investieren musste und es heute in Deutschland de facto keinen privaten Bankensektor mehr gebe. In Österreich hätte die Bankenrettung in diesem Zeitraum dagegen 11,6 Mrd. Euro (3,5% des BIP) gekostet und es sei das Ziel, einen breiten Bankensektor beizubehalten: „Um unser System krisenresistenter zu machen, sind die vielen kleinen und mittleren Banken in Österreich und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu halten“, so Ettl.

Anfang der 1990er-Jahre, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, hätten einige österreichische Banken rasch die Expansionsmöglichkeiten im ehemaligen Ostblock genutzt und daraus hohe Erträge erwirtschaftet. Allerdings sei diese Expansion ohne tragfähige Geschäftsmodelle mit entsprechender Risikobewertung von möglichen Kreditausfällen erfolgt.

Daraus habe man gelernt: Der regulierende Rechtsbestand sei massiv erweitert worden – und: „Heute wird mit besserem Realismus und angemessener Risikoeinschätzung agiert, unterstützend wirken die Aufsichtsinstitutionen wie zum Beispiel auch die konzentrierte Bankenaufsicht bei der EZB!“ Das habe den europäischen Finanzmarkt sicherer gemacht: „Und das ist gut, denn wenn der Finanzmarkt zerbricht, zerbricht Europa!“, so Ettl.

Die gegenwärtige Niedrigzinsphase stelle allerdings vor allem Österreichs kleine Banken vor neue Herausforderungen: „Es muss im Bankensektor wieder mehr verdient werden können und vor allem kleine Banken müssen sich überlegen, ob sie es sich leisten können, Dienstleistungen gratis anzubieten.“  

 Gäste beim Vortrag

Generalsekretär Heinz Gehl, Christine Wala, KR Dietmar Spranz

  

 

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