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"Richtige Motivation muss von innen kommen"

'Richtige Motivation muss von innen kommen'Mag. Peter Goldgruber ist der erste Generalsekretär im Innenministerium. Foto: BMI/Alexander Tuma

Er ist erfahrener Jurist und Stratege. Er kennt die Polizei wie kaum ein anderer: Der erste Generalsekretär im Innenministerium, Mag. Peter Goldgruber. Im Interview mit der Online-Redaktion des Innenministeriums spricht er über Kernaufgaben, Strategie, Herausforderungen, Rekrutierung und Motivation.

Worin sehen Sie ihre Kernaufgaben als erster Generalsekretär im Innenministerium?

Für mich gibt es zwei Schwerpunkte. Der eine ist, die Verbindung zwischen politischer Führung und Beamtenebene zu sein. Das heißt, dafür zu sorgen, dass die Vorgaben der politischen Ebene in der operativen Ebene umgesetzt werden. Andererseits besteht meine Aufgabe auch darin, die Probleme, die sich aus der operativen Umsetzung ergeben, an die politische Ebene zur Entscheidung zu bringen. Meine zweite Aufgabe ist, über die Sektionen hinweg koordinierend und ausgleichend zu wirken, sodass man ein einheitliches Bild des Innenressorts abgibt.

Sie gelten als erfahrener Jurist und Stratege - nach welcher Strategie legen Sie Ihre neue Aufgabe an?

Gemeinsam in dieselbe Richtung zu gehen ist das Ziel. Die Strategie ist, durch intensive Kommunikation zu einem gemeinsamen Wirken zu kommen. Dadurch sollen die besten Ergebnisse erreicht werden. Es gibt im Innenressort sehr viele unterschiedliche Themen, zu jedem Thema muss man eine gemeinsame Lösung finden. Wenn man diese gefunden hat, wird vereinbart, wie man sie umsetzt. Dabei ist ein wesentlicher Punkt für mich, dass man sich an Vereinbarungen hält.

Was sind ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, vor denen die Polizei im Jahre 2018 steht?

Wir haben 2018 die große Chance, mit einer sehr guten objektiven Sicherheitslage zu beginnen. Die Herausforderung ist, diese objektive Sicherheitslage zu erhalten. Die zweite große Herausforderung ist, dass wir das subjektive Sicherheitsgefühl, das nicht immer der objektiven Sicherheitslage entspricht, dieser anzunähern. Ich meine damit, dass die Menschen spüren müssen, dass es in Österreich sicher ist.

Wie kann und muss man diesen Herausforderungen entgegentreten?

Die objektive Sicherheitslage erhalten heißt, uns als Polizei so aufzustellen, dass wir sicherheitspolizeilich so aktiv sind, dass wir Delikten wirksam vorbeugen können. Es muss eine möglichst breite Sichtbarkeit der Polizei in der Öffentlichkeit gegeben sein, um von vornherein für Ruhe und Ordnung sorgen zu können, ohne aufklärend tätig werden zu müssen. Wir müssen auch viel an Information und guter Kommunikation leisten, mit möglichst vielen Menschen reden, die Anliegen der Menschen ernst nehmen, dann wird es uns gelingen, das Sicherheitsgefühl zu steigern.

Im zweiten Halbjahr während der EU-Ratspräsidentschaft gilt es, durch Ausrüstung und strukturelle Vorkehrungen vorzusorgen, damit wir diese Herausforderung gut über die Bühne bringen und die Sicherheit für alle Menschen gewährleisten können. Das vierte Thema, das uns immer mehr zu beschäftigen beginnt, ist Cyberkriminalität und Cybersicherheit. Wir gehen im Ressort auch sehr stark in die Digitalisierung, auch wir müssen unsere Netze ständig so sicher halten, dass niemand ins System eindringen und Schaden anrichten kann.

"GEMEINSAM.SICHER in Österreich" ist eine Initiative, die in Richtung "Bürgerkontakt" geht. Soll das fortgesetzt werden?

"GEMEINSAM.SICHER in Österreich" ist eine gute Initiative, die wir auch weiter entwickeln wollen, und zwar so, dass das eine Aufgabe ist, der sich jede Polizistin und jeder Polizist verpflichtet fühlt. Bürgerinnen und Bürger sollen sich an jede Polizistin, an jeden Polizisten wenden können, nicht nur an einzelne – das ist ja auch ihre Kernaufgabe, mit Menschen in Kontakt zu treten und sich um die Anliegen zu kümmern. In Zusammenhang mit der Digitalisierung wollen wir den bürokratischen Aufwand so gering wie möglich halten. Wir wollen, dass der Hauptteil der Arbeitszeit verwendet wird um die Anliegen der Menschen zu bearbeiten. Dokumentation der Ergebnisse ist notwendig. Doppelerfassungen sind zu vermeiden. Statistiken oder Berichtspflichten müssen automatisiert erstellt werden.

Wie würden Sie einem 18-Jährigen den Polizeiberuf schmackhaft machen?

Heute muss man erst einmal mit den jungen Menschen in Kontakt treten, in Erfahrung bringen, was sind ihre Schwerpunkte. Junge Menschen legen viel Wert darauf, dass die Balance zwischen dienstlichem Engagement und Freizeit gewahrt bleibt. Wir müssen uns überlegen, was wir Interessierten anbieten können. Der Polizeiberuf ist ein herausfordernder Beruf, man muss Freude daran haben, mit Menschen in Kontakt zu treten, man muss aber auch die Konsequenz aufbringen, Entscheidungen einzufordern und durchzusetzen.

Einerseits ist Menschlichkeit, andererseits ist Konsequenz gefordert. Ist man bereit dafür, bietet die Polizei eine Vielzahl an Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten – da gibt es wenig vergleichbare Berufe. Jeder Tag ist ein Tag mit neuen Herausforderungen, an dem man Neues lernen, aber auch mit dem Ungewissen konfrontiert werden kann. Die Dienstzeitgestaltung muss den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und der Mitarbeiter so weit wie möglich entgegenkommen.

Führen heißt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivieren. Wie lautet ihre Botschaft an die Führungsebene im Innenressort?

Ich war Lehrer in der Polizeischule und ich habe dort nicht motivieren müssen. Die Schülerinnen und Schüler haben gewusst, warum sie dort sitzen, sie haben ihre Motivation schon mitgebracht. Ähnliche Erfahrungen habe ich in vielen Führungskräfteweiterbildungen erlebt. Eine Kernaufgabe für Führungskräfte ist aus meiner Sicht, Demotivation zu vermeiden – das ist wichtiger, als zu motivieren. Die richtige Motivation muss von innen kommen.

Von Führungskräften erwarte ich, dass sie auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingehen, dass sie mit ihnen reden, sie respektieren, deren Leistungen anerkennen, dass sie einen wertschätzenden Umgang pflegen – das alles sind Beiträge, die Motivation erhalten. Das führt auch dazu, dass jeder das Gefühl bekommt, einen sinnvollen Beitrag zum Ganzen zu leisten. So hat man automatisch motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Sind Sie mit deren Führungsqualitäten zufrieden?

Wer aufhört besser werden zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein. Unter diesem Motto hat jeder die Chance, sich in seinem Bereich weiter zu entwickeln und das erwarte ich auch von Führungskräften, nämlich ständig mit der Zeit zu gehen.

In welchen Bereichen sehen Sie bei der EU-Ratspräsidentschaft spürbare Gestaltungsmöglichkeiten für das Innenministerium auf europäischer Ebene?

Wir glauben, beim Thema der illegalen Migration Impulse setzen zu können, um einen wirkungsvollen Schutz der EU-Außengrenzen zu erreichen. Das ist notwendig, um zu Schengen wieder zurückzukehren. Ohne diesen Schutz wird es schwierig sein, im Binnenland auf Grenzkontrollen zu verzichten und einen freien Personen- und Warenverkehr zu ermöglichen. Ein zweiter Punkt ist der islamistisch motivierte Terror - da ist es notwendig, in der Polizeikooperation alle Möglichkeiten zu nutzen, damit man erfolgreich sein kann. Auch beim Thema der Cybersicherheit muss zusammengearbeitet werden, um immer die aktuellsten Erkenntnisse zu haben, damit man sich wirkungsvoll schützen kann.

Quelle: bmi.gv.at

 

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