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Atypische Deliktsverteilung 2020

Atypische Deliktsverteilung 2020Zahlen der Vorgänger, eigene Vorschau: Innenminister Karl Nehammer bei der Kriminalstatistik-Präsentation. Foto: BMI/Makowecz

Das Coronavirus habe die kommende Kriminalstatistik "schon jetzt durcheinandergewirbelt", konstatierte der Innenminister. Via Internet hätten in Corona-Zeiten Erpressungs-Mails, die Verbreitung von Schadsoftware und auch der Drogenhandel massiv zugenommen. Bei der befürchteten Zunahme von häuslicher Gewalt während der Ausgangsbe-schränkungen seien die "Zahlen tatsächlich in ganz geringem Maße gestiegen". Ob die Zahlen allerdings die Realität abbilden, sei jedoch unklar. Der Innenminister warnte nämlich, dass diese Form der Gewalt nur dann bekämpft werden könne, "wenn die Polizei davon Kenntnis erlangt, wenn die Straftat angezeigt wird". Am meisten von Bedeutung sei dabei, dass die Kommunikationsfähigkeit des Opfers nach außen vom Täter nicht durchbrochen werde, sagte der Direktor des Bundeskriminalamts, Franz Lang. Die Betroffenen müssten ihre Internet- und Telefonkontakte nützen.

Heuer mehr Betretungs- und Annäherungsverbote

Die Informationskampagne gemeinsam mit dem Frauenministerium zu dem Thema wird fortgesetzt. Auch die Täterarbeit werde weiter aufgebaut und "viel Subvention hineingesteckt", sagte Lang. Nehammer betonte, Betretungs- und Annäherungsverbote lassen zu, "dass die Polizei rasch handeln kann". Im April wurden davon bereits 1.065 verhängt, nach 969 im März und (vor Beginn der Coronakrise) 879 im Februar bzw. 936 im Jänner. Die Entwicklung werde "genau beobachtet von Anfang an", hob Lang hervor.

Polizeiarbeit derzeit "sehr fordernd"

Bei der Polizei könnten die Urlaubsbeschränkungen "stetig gelockert" werden, erläuterte Nehammer. Die Arbeit sei aber "sehr fordernd" und insgesamt weiterhin täglich rund 10.000 Beamte im 24-Stunden-Betrieb im Einsatz.

Im Jahr 2019 wurden 488.912 Straftaten in Österreich angezeigt, ein leichtes Plus von 3,4% gegenüber dem Jahr davor und der zweitniedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre. Die Steigerung der Anzeigen sei vor allem auf die erhöhte Cyberkriminalität zurückzuführen, sagte Lang. Die gemeldeten Cybercrime-Fälle stiegen im Jahresabstand  von 19.627 auf 28.439 Straftaten (plus 45%). Die Aufklärungsquote bei Internetdelikten sank leicht auf knapp 36%. Die Art der Delikte ist vielfältig und reiche von Profis, die in Hochsicherheitssysteme eindringen, bis zu Tätern, die Webshops oder Fake-Unternehmen betrügerisch nützen. Die Wirtschaftskriminalität stieg um 25% auf 71.112 Anzeigen, die Aufklärungsquote bleib mit 52,5% konstant.

Mehr Morde, weniger Eigentumsdelikte

Wie Lang weiter berichtete, stiegen Gewaltdelikte um 5,3% auf 73.079 angezeigte Fälle, die Aufklärungsquote stieg leicht auf 85%. 65 Morde wurden 2019 verzeichnet, um fünf mehr als 2018. 39 Opfer waren Frauen. 23 der Morde mit einer Stichwaffe verübt. Wohnraumeinbrüche gingen auf 8.835 angezeigte Fälle zurück (minus 10% zum Vorjahr), ein neuer Tiefstwert der vergangen Jahre. Auch die Kfz-Diebstähle sanken weiter auf 2.194 Anzeigen. 

Auch die Schlepperkriminalität habe man „nach wie vor genau im Auge“, so Lang. Deren Ausmaß habe sich in den letzten beiden Jahren nicht erhöht, aber verlagert. Durch die neuen Grenzkontrollen seien weniger Migranten betroffen, dafür würden aktuell mehr Drogen und Waffen geschmuggelt. Zudem beobachte man ein „neues Business“ der Schlepper: Flüchtlinge, die in Griechenland oder am Balkan festsitzen, würden oft zum selben Preis wieder in ihre Herkunftsländer zurückgeschleppt.

Benchmark und Abschied

In Den Ruhestand nach 42 Dienstjahren: Generaldirektor Franz Lang. Foto: BMI/Alexander TumaDie Präsentation der Zahlen von 2019 sei noch die Kriminalstatistik seiner Amtsvorgänger Herbert Kickl (FPÖ) und Wolfgang Peschorn, betonte der Innenminister. Diese werde jedoch aufgrund der durch SARS-CoV-2 verfälschten heurigen Zahlen seine "Benchmark sein" für die Kriminalstatistik 2021.

Zum Abschluss der Präsentation wurde es persönlicher: Ein - wie "Die Presse" berichtet - „bewegter Nehammer" verabschiedete Lang (Foto: BMI/Tuma) nach 42 Dienstjahren in den Ruhestand. Einen Nachfolger für den Generaldirektor gibt es noch nicht. Der Verein der Freunde der Wiener Polizei wünscht Generaldirektor Franz Lang für den neuen Lebensabschnitt alles Gute!

 

 

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