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Staatstrauer nach Terroranschlag in der Wiener Innenstadt

Staatstrauer nach Terroranschlag in der Wiener InnenstadtInnenminister Nehammer, Präsident Pürstl (r.) und Generaldirektor Ruf (l.) informierten über die Lage. Foto: BMI/Jürgen Makowecz

Gegen 20 Uhr fielen am Montagabend die ersten Schüsse in der Wiener Innenstadt in der Nähe des Schwedenplatzes. Der schwer bewaffnete Täter wurde innerhalb von neun Minuten kampfunfähig gemacht. "Der erste Schusswechsel fand um 20 Uhr statt, die Ausschaltung um 20:09 Uhr“, erklärt Innenminister Karl Nehammer: „Nur neun Minuten, bis eine Sondereinheit den Täter ausschalten konnte!“ Der Täter wurde von der Polizei erschossen. Nach gegenwärtigem Wissensstand dürfte er allein gehandelt haben, es werde aber noch ermittelt. Die Wohnung des Täters wurde durchsucht, das Innenministerium bestätigte zudem mehrere Hausdurchsuchungen „in dessen Umfeld“. Mehrere Personen seien bereits festgenommen worden.

Vier Todesopfer, 22 Verletzte in belebtem Lokalviertel

Der 20-jährige Attentäter war ein Anhänger der Terrormiliz IS, hat nordmazedonische Wurzeln und postete ein Foto mit den Tatwaffen - einer automatischen Langwaffe, einer Faustfeuerwaffe und einer Machete - zuvor in sozialen Medien, wie Nehammer sagte. Der Täter war bereits einschlägig nach § 278b StGB "Terroristische Vereinigung" vorbestraft. Bei seinem Attentat war er mit einer Sprengstoffgürtel-Attrappe unterwegs.

Der Anschlag, bei dem er wahllos auf Passanten und Gästen in Lokalen in dem beliebten Ausgehviertel "Bermuda-Dreieck" geschossen hat, forderte mindestens vier Todesopfer, zwei Männer und zwei Frauen. 22 Menschen wurden verletzt, darunter auch ein Polizeibeamter. Er wurde von zwei Österreichern mit Migrationshintergrund in Sicherheit gebracht, wie Nehammer betonte. Der 28-jährige Polizist stellte sich dem um sich schießenden Täter entgegen und wurde von diesem ebenfalls angeschossen. Sein Gesundheitszustand sei "weiterhin kritisch, aber stabil", wie es aus dem Wiener Gesundheitsverbund heißt.

Fotos und Videos nicht posten, sondern beim BMI hochladen

Die Polizei ruft dazu auf, keine Bilder oder Videos online zu posten, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Bilder oder Videos vom Tatgeschehen sollen für die weitere Bearbeitung durch die Polizei unter dem Link: https://upload.bmi.gv.at hochgeladen werden.

Verein der Freunde der Wiener Polizei sagt volle Unterstützung zu

"Der terroristische Angriff in Wiens Innenstadt macht äußerst betroffen, gerade auch weil Österreich sehr lange von derarigen Ereignissen verschont geblieben ist", sagt der Präsident der Freunde der Wiener Polizei, Adolf Wala: "Unser tief empfundenes Mitgefühl gehört den Angehörigen der Opfer. Den verletzten Personen wünschen wir eine möglichst rasche Gesundung!"

Wala verweist auf das beispielhafte Vorgehen der Wiener Polizistinnen und Polizisten und die hervorragende Einsatzleitung durch Wiens Polizeipräsident, dem er "jegliche erforderliche Unterstützung, die unser Verein beitragen kann" zusichert. "Unser Vereinszweck, die Unterstützung der Arbeit der Wiener Polizei, zeigt sich angesichts dieses verstörenden Anschlages umso wichtiger", so Wala.

Herausragender Einsatz der Polizistinnen und Polizisten

"Ich möchte in diesem Zusammenhang ausdrücklich festhalten, dass es mir eine große Ehre ist, dem Ministerium vorzustehen, in dem Polizistinnen und Polizisten gerade einen herausragenden Einsatz geleistet haben", betonte der Innenminister. Nach wie sei aber Vorsicht geboten. Den Menschen in Wien rät Nehammer: "Bleiben Sie zu Hause, sofern dies beruflich möglich ist und meiden Sie besonders Wiens Innenstadt. Die Polizei leistet hier nach wie vor akribische Ermittlungsarbeit."


Der Innenminister zeigte sich stolz auf die Polizistinnen und Polizisten.
Foto: Screenshot ZiB

"Die konsequenten und gezielten polizeilichen Maßnahmen sind in den vergangenen Stunden ununterbrochen weitergelaufen", erklärte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf: "In Wien sind derzeit rund 1.000 Exekutivkräfte im Einsatz. Darunter auch Spezialeinsatzkräfte der EKO Cobra/DSE, WEGA sowie spezielle Ermittlungsteams des Bundes- und Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung."

Laut Wiens Polizeipräsident Dr. Gerhard Pürstl seien trotz der schnellen Täter-Identifizierung die Vorfälle aber noch nicht „differenziert aufgearbeitet“. Im Vordergrund stehe die Erstellung eines Weg-Zeit-Diagramms sowie die Auswertung der bereits zur Verfügung gestellten Fotos und Videos, um feststellen zu können, ob der Anschlag für einen Einzeltäter überhaupt möglich ist, oder ob mehrere Täter angenommen werden müssen, so Pürstl. 

Differenzierte Aufarbeitung der Vorfälle: Landespolizeipräsident Dr. Gerhard Pürstl.
Foto: Screenshot ZiB

Ein feiger Anschlag auf die Demokratie

Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen sprach von einem "feigen terroristischen Attentat auf das Herz unserer Gesellschaft", allerdings könne der Hass niemals so stark sein "wie unsere Gemeinschaft". Bundeskanzler Sebastian Kurz verurteilte den Anschlag am Dienstagvormittag in einer Rede an die Bevölkerung: "Es war ein Anschlag aus Hass - auf unser Lebensmodell, auf unsere Demokratie".

Wiens Bürgermeister Dr. Michael Ludwig zeigte sich fassungslos über die Ereignisse. Zugleich lobte er die Arbeit der Einsatzkräfte und zeigte sich überzeugt, dass die Wienerinnen und Wiener in dieser Zeit zusammenstehen würden.

Zahlreiche solidarische Reaktionen aus dem Ausland

Frankreichs Präsident Emanuelle Macron reagierte noch in der Montagnacht: „Wir Franzosen teilen den Schock und die Trauer der Österreicher nach einem Attentat in ihrer Hauptstadt Wien. Nach Frankreich ist es nun ein befreundetes Land, das angegriffen wird. Dies ist unser Europa. Unsere Feinde müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wir werden nicht nachgeben.“ Macron kondolierte persönlich bei einem Besuch in der österreichischen Botschaft in Paris. 

EU-Ratspräsident Charles Michel verurteilte die Terrorattacke in Wien als feigen Akt gegen das Leben und die menschlichen Werte. Von einem "grausamen und zynischen Verbrechen" schrieb Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Telegramm an Bundeskanzler Kurz. Putin erklärte seine Bereitschaft, die Anti-Terror-Kooperation mit Österreich zu verstärken. Eine Solidaritätserklärung mit Österreich gaben auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel ab: "Der islamistische Terror ist unser gemeinsamer Feind. Der Kampf gegen diese Mörder und ihre Anstifter ist unser gemeinsamer Kampf.“

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen schrieb auf Twitter: "Dänemark steht in dieser schweren Stunde Schulter an Schulter mit Österreich“; „Hass wird unsere Gesellschaft nicht verbiegen. Europa wird dem Terrorismus standhalten“, so der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez. "Wir verurteilen diesen feigen Anschlag", hieß es vom italienischen Außenminister Luigi Di Maio. „Unsere Gedanken und Gebete sind mit den Österreichern, während wir die verabscheuungswürdige Terrorattacke aus der vergangenen Nacht in Wien mit Sorge verfolgen“, schrieb Israels Präsident Reuven Rivlin. Die Türkei als ein Land das gegen alle Arten von Terrorismus kämpfe, stehe in Solidarität an der Seite Österreichs, hieß es aus dem Außenministerium in Ankara.

Staatstrauer in Österreich

"Die Republik Österreich war, ist und wird immer eine Nation der Vielfalt, des Dialoges und des Respektes füreinander sein, umso mehr haben die Ereignisse vom 2. November 2020 unser Land schwer erschüttert und betroffen gemacht", heißt es in dem Regierungsbeschluss, der eine dreitägige Staatstrauer verkündet. Damit werden die Flaggen an Bundesgebäuden auf Halbmast gesetzt und die Landeshauptleute aufgefordert, dies auch in ihrem Bereich zu veranlassen.

Zudem wurde am Tag nach dem Terroranschlag um 12 Uhr eine "Minute des stillen Gedenkens" eingehalten, Bundespräsident, Nationalratspräsidenten, die Bundesregierung, die Klubobleute der Parlamentsfraktionen und der Wiener Bürgermeister legten weiße Rosen am Tatort in der Wiener Seitenstettengasse nieder.

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